Selbstporträt (1857, Met-Objekt 527)
Originaltitel: Self-Portrait
kurzbeschreibung
Anders als viele Selbstbildnisse seiner Zeitgenossen zeigt Degas’ Radierung von 1857 den Künstler nicht im Atelier, sondern als konzentrierte, fast private Studie. Mit Mütze und Hemd sitzt er da, ausgeführt in Kaltnadel und Bitten-Ton, wobei nur der zweite von vier Zuständen vorliegt. Die monochrome Anlage verstärkt den Eindruck einer unmittelbaren Nahsicht.
Beschreibung
Der Dargestellte nimmt eine sitzende oder halb sitzende Haltung ein; eine Mütze bedeckt den Kopf, ein Hemd mit Kragen umschließt den Oberkörper. Dichte parallele Linien modellieren den Stoff und lassen seine Struktur hervortreten. Der Hintergrund bleibt karg, fast leer, sodass der Blick ganz auf die Figur gelenkt wird. Von vorn trifft gleichmäßiges Licht auf Gesicht und Gewand und zeichnet deren Umrisse nach.
Kontext
1857, während eines Italienaufenthalts, setzte sich Degas mit den Meistern der Renaissance auseinander. In dieser Zeit entstand das vorliegende Blatt als eine seiner ersten grafischen Arbeiten überhaupt. Dass mehrere Zustände existieren, belegt eine gründliche Überarbeitung der Platte. Der experimentelle Charakter der Radierung ist deutlich spürbar.
Wirkung
Eine ruhige, nach innen gewandte Stimmung geht von dem Porträt aus. Die sparsame Umgebung und das gleichmäßige Licht schaffen eine konzentrierte Atmosphäre, die den Betrachter unmittelbar an die Person heranrückt. Die differenzierte Linienführung trägt das Ihre dazu bei, dass das Blatt still und eindringlich wirkt.
Technik
Bei der Radierung mit Bitten-Ton werden säurebeständige Partikel auf die Platte gestreut, um einen gleichmäßigen Ton zu erzeugen. Die dichten parallelen Striche, mit denen die Kleidung wiedergegeben ist, sind für dieses Verfahren kennzeichnend und verraten Degas’ sichere Hand. Das Blatt misst 23 x 14,4 cm und bleibt ganz in Grautönen.
KI-generierter Beschreibungstext
Quelle: Metropolitan Museum of Art · Gemeinfrei (CC0 1.0)